Welches Wasser für Babynahrung? Leitungswasser, Mineralwasser, Babywasser
Leitungswasser, Mineralwasser oder Babywasser? Ob du Wasser für den Schoppen abkochen musst und worauf du auf dem Etikett achtest, mit Checkliste.

Inhalt
Kurz gesagt
In der Schweiz eignet sich frisches, kaltes Leitungswasser aus dem öffentlichen Netz für den Schoppen. Laut dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) musst du es nicht abkochen. Lass Wasser, das länger in der Leitung stand, zuerst ablaufen, bis es kalt kommt. Mineralwasser oder Babywasser brauchst du nur, wenn dein Leitungswasser nicht geeignet ist, etwa aus einem ungeprüften Hausbrunnen, aus Bleileitungen oder auf Reisen. Dann nimm stilles Wasser mit dem Hinweis «geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung».
Welches Wasser für Babynahrung das richtige ist, fragen sich fast alle Eltern beim ersten Schoppen oder Fläschchen. Leitungswasser, Mineralwasser oder Babywasser? Und musst du es abkochen? Hier findest du die Empfehlungen der Fachstellen aus der Schweiz und aus Deutschland, eine Vergleichstabelle und eine Checkliste fürs Etikett.
Leitungswasser fürs Baby: in der Schweiz die erste Wahl
Das BLV hält fest: In der Schweiz ist Leitungswasser einwandfrei und muss für den Schoppen nicht abgekocht werden. Laut der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE) wird Hahnenwasser hier sehr streng kontrolliert und eignet sich zum Anrühren des Milchpulvers. Pädiatrie Schweiz sieht es gleich: Mineralwasser ist aus hygienischen Gründen nicht nötig.
Wichtig ist nur, dass das Wasser frisch ist. Steht Wasser länger in der Hausleitung, etwa über Nacht, verschlechtert sich seine Qualität. So gehst du vor:
- Kaltes Wasser nehmen Verwende nur kaltes Wasser. Warmwasser aus der Leitung ist für den Schoppen nicht geeignet.
- Ablaufen lassen Lass abgestandenes Wasser laufen, bis es kalt und mit gleichmässiger Temperatur aus dem Hahn kommt.
- Auf Trinktemperatur bringen Erwärme das Wasser auf Trinktemperatur oder koche es auf und lass es auf Trinktemperatur abkühlen. Beides ist laut Pädiatrie Schweiz möglich.
- Frisch zubereiten Gib das Pulver nach Packungsangabe dazu und füttere sofort. Was übrig bleibt, schüttest du weg.
Die einzelnen Handgriffe zeigt dir die Anleitung Schoppen zubereiten: Schritt für Schritt. Wie warm die fertige Milch sein soll, steht im Ratgeber Wie warm muss Babymilch sein?
Achtung
Verwende kein Wasser aus Filterkannen oder anderen Wasserfiltern. Laut BLV und der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung können sich darin Keime und unerwünschte Stoffe anreichern.
Wie das Wasser in deiner Gemeinde zusammengesetzt ist, erfährst du bei deiner Wasserversorgung. Sie muss mindestens einmal pro Jahr über die Trinkwasserqualität informieren.
Wasser abkochen fürs Baby: ja oder nein, und bis wann?
In der Schweiz ist Abkochen bei Leitungswasser aus dem öffentlichen Netz nicht nötig. Laut SGE braucht es das nur in seltenen Ausnahmen, wenn das Hahnenwasser mit Bakterien verunreinigt ist. Dass auf vielen Milchpulver-Packungen trotzdem «Wasser abkochen» steht, hat laut SGE Haftungsgründe.
Sinnvoll ist Abkochen, wenn die Qualität unklar ist, etwa bei Wasser, das nicht direkt aus dem Trinkwassernetz stammt. Dann kochst du es laut BLV einmal auf. Gibt deine Gemeinde nach einer Verschmutzung eine Abkochvorschrift heraus, gilt sie auch für den Schoppen.
Bis wann abkochen? Eine feste Altersgrenze gibt es in der Schweiz nicht, weil Abkochen grundsätzlich nicht nötig ist. Manche Geburtskliniken empfehlen es trotzdem für die ersten Lebenswochen, zum Beispiel die Mutter-Kind-Station des Inselspitals Bern in ihrem Merkblatt. In Deutschland raten das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit und das Netzwerk Gesund ins Leben, Leitungswasser in den ersten Lebenswochen oder -monaten abzukochen und danach abkühlen zu lassen. Bist du unsicher, besprich es mit deiner Hebamme, der Mütter- und Väterberatung oder deiner Kinderärztin.
Gut zu wissen
Auf englischsprachigen Seiten liest du oft, das Wasser solle beim Anrühren mindestens 70 °C heiss sein, so empfiehlt es etwa der britische Gesundheitsdienst NHS. Pädiatrie Schweiz rät dagegen von kochendem oder auf 70 °C erhitztem Wasser ab, wegen der Verbrühungsgefahr und weil sich die Nährstoffe der Milch nachteilig verändern können. Frag im Zweifel deine Kinderärztin.
Gut zu wissen: Abkochen tötet Keime ab, Blei entfernt es laut dem deutschen Umweltbundesamt aber nicht.
Mineralwasser fürs Baby: worauf du achten musst
Gewöhnliches Mineralwasser brauchst du in der Schweiz für den Schoppen nicht. Pädiatrie Schweiz warnt sogar: Je nach Mineralgehalt kann es für Säuglinge problematisch sein. Die SGE rät von mineralstoffreichem Wasser ab, weil dein Baby sonst zu viel Salz bekommen kann.
Musst du doch auf abgepacktes Wasser ausweichen, achte auf drei Dinge:
- Still: Das Wasser darf keine Kohlensäure enthalten.
- Mineralstoffarm: Das empfiehlt die SGE ausdrücklich.
- Der Hinweis auf dem Etikett: Am sichersten ist Wasser mit dem Vermerk «geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung».
In Deutschland darf ein Mineralwasser diesen Hinweis nur tragen, wenn es strenge Höchstwerte einhält. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nennt unter anderem höchstens 20 mg Natrium, 10 mg Nitrat, 0,02 mg Nitrit, 240 mg Sulfat und 0,7 mg Fluorid pro Liter. Fehlt der Hinweis, kannst du die Angaben auf dem Etikett mit diesen Werten vergleichen.
Auch abgepacktes Wasser ist nicht steril. Eine angebrochene Flasche gehört in den Kühlschrank. Das deutsche Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit empfiehlt, auch Mineralwasser in den ersten Lebensmonaten vorher abzukochen.
Checkliste: Etikett lesen
- Stilles Wasser, ohne Kohlensäure
- Hinweis «geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung» vorhanden
- Natrium höchstens 20 mg/l
- Nitrat höchstens 10 mg/l
- Nitrit höchstens 0,02 mg/l
- Sulfat höchstens 240 mg/l
- Fluorid höchstens 0,7 mg/l
- Flasche ungeöffnet, Verschluss intakt, Mindesthaltbarkeitsdatum nicht überschritten
- Angebrochene Flasche kommt in den Kühlschrank
Babywasser: wann es sich lohnt
Babywasser ist abgepacktes, mineralarmes Wasser speziell für Babynahrung. Zu Hause in der Schweiz brauchst du es in der Regel nicht. Praktisch ist es in diesen Situationen:
- unterwegs, wenn du kein frisches Leitungswasser zur Hand hast
- auf Reisen, besonders in Ländern, in denen das Leitungswasser nicht trinkbar ist
- wenn du Wasser aus einem eigenen Brunnen beziehst, das noch nicht geprüft ist
- bei Bleileitungen im Haus, was manche Altbauten ausserhalb der Schweiz betreffen kann
- wenn deine Gemeinde vorübergehend zum Abkochen auffordert
Ein Beispiel ist das Babywasser von Bébés des Alpes®, das LIINI in einer Schweiz-, einer Deutschland- und einer Österreich-Edition anbietet. Laut LIINI ist es mineralarm und natriumarm und eignet sich auch als Trinkwasser für stillende Mütter. Die Schweiz-Edition stammt aus den Bündner Alpen. Die genauen Mineralwerte liest du auf dem Etikett nach. Alle Editionen findest du unter Babywasser.
Tipp
Babywasser ersetzt die Hygiene nicht. Öffne für jeden Tag eine frische Flasche oder stell die angebrochene in den Kühlschrank, und bereite jeden Schoppen frisch zu.
Bleileitungen, Hausbrunnen und Altbau
Bleileitungen: In der Schweiz sind Trinkwasserrohre aus Blei laut dem Schweizerischen Verein des Gas- und Wasserfaches (SVGW) seit 1904 verboten. Blei im Trinkwasser ist hier deshalb kein Thema. Anders sieht es in manchen Altbauten im Ausland aus, etwa in Deutschland: Laut Umweltbundesamt finden sich Bleirohre dort vor allem in Häusern, die vor 1973 gebaut wurden. Sie mussten bis zum 12. Januar 2026 entfernt oder stillgelegt werden. Wasser, das durch Bleileitungen geflossen ist, darf laut dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit nicht für die Säuglingsernährung verwendet werden. Abkochen hilft dagegen nicht. Bist du unsicher, frag deine Vermieterin oder deine Wasserversorgung. Bis zur Klärung nimmst du abgepacktes Wasser mit dem Hinweis «geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung».
Hausbrunnen: Wasser aus privaten Brunnen ist nicht Teil der öffentlichen Kontrolle. Hohe Nitratgehalte finden sich laut der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung häufig bei Hausbrunnen. Das Netzwerk Gesund ins Leben rät, solches Wasser erst zu verwenden, wenn ein akkreditiertes Labor die Qualität bestätigt hat.
Hausinstallation: Steht das Wasser lange in den Rohren, etwa in einer Ferienwohnung, lass es besonders gründlich ablaufen.
Unterwegs und auf Reisen
Unterwegs ist frisches Leitungswasser nicht immer zur Hand. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit empfiehlt, abgekochtes Wasser in einer Thermosflasche mitzunehmen und die Pulvermenge separat in der sauberen Flasche. Angerührt wird erst kurz vor der Mahlzeit, statt fertige Milch stundenlang warm zu halten.
Alternativ nimmst du Babywasser mit und erwärmst es vor Ort. Wie das ohne Steckdose klappt, zeigt dir der Ratgeber Milch unterwegs warm machen.
Im Ausland gilt: Ist das Leitungswasser nicht als Trinkwasser geeignet, verwende es auch nicht für den Schoppen. Greif zu stillem, abgepacktem Wasser, im besten Fall mit dem Hinweis für Säuglingsnahrung.
Wasser für Babynahrung im Vergleich
| Wasser | Für den Schoppen? | Abkochen? | Gut zu wissen |
|---|---|---|---|
| Leitungswasser Schweiz (öffentliches Netz) | ja, erste Wahl | nicht nötig | kalt nehmen, abgestandenes Wasser ablaufen lassen |
| Leitungswasser Deutschland | in der Regel ja | in den ersten Lebensmonaten empfohlen | nicht aus Bleileitungen |
| Stilles Wasser mit Hinweis für Säuglingsnahrung | ja, wenn Leitungswasser nicht passt | in Deutschland in den ersten Monaten empfohlen | angebrochen in den Kühlschrank |
| Babywasser | ja | wie Mineralwasser | praktisch unterwegs und auf Reisen |
| Stilles Mineralwasser ohne Hinweis | nur wenn mineralarm | wie Mineralwasser | Werte auf dem Etikett prüfen |
| Sprudel oder mineralreiches Wasser | nein | – | Kohlensäure, zu viele Mineralstoffe |
| Ungeprüfter Hausbrunnen | erst nach Laboranalyse | Laborwerte abwarten | Nitrat oft erhöht |
| Wasser aus der Filterkanne | nein | – | Keime können sich vermehren |
| Warmwasser aus dem Hahn | nein | – | immer kaltes Wasser nehmen |
Häufige Fragen
Muss ich Wasser für den Schoppen abkochen?
In der Schweiz nicht, sofern das Wasser aus dem öffentlichen Netz kommt. BLV und SGE halten Abkochen nur bei unklarer Qualität oder bakterieller Verunreinigung für nötig. Lass das Wasser vorher ablaufen, bis es kalt kommt.
Bis wann muss ich Wasser fürs Baby abkochen?
In der Schweiz gibt es keine feste Altersgrenze, weil Abkochen bei Leitungswasser grundsätzlich nicht nötig ist. Manche Kliniken empfehlen es für die ersten Lebenswochen. Deutsche Fachstellen raten, in den ersten Lebensmonaten abzukochen. Frag deine Hebamme oder die Mütter- und Väterberatung, was für euch passt.
Welches Mineralwasser ist für Babys geeignet?
Stilles, mineralarmes Wasser mit dem Hinweis «geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung». In Deutschland gelten dafür Höchstwerte, etwa höchstens 20 mg Natrium und 10 mg Nitrat pro Liter. Sprudel und mineralreiches Wasser sind ungeeignet.
Ist Babywasser besser als Leitungswasser?
Nicht grundsätzlich. Schweizer Leitungswasser ist laut BLV einwandfrei und für den Schoppen geeignet. Babywasser ist praktisch unterwegs, auf Reisen oder wenn dein Leitungswasser nicht passt, etwa wegen eines ungeprüften Hausbrunnens.
Wie viel Nitrat darf im Wasser für Babynahrung sein?
Wasser mit dem Hinweis für Säuglingsnahrung darf in Deutschland höchstens 10 mg Nitrat pro Liter enthalten. Für Schweizer Trinkwasser gilt ein Höchstwert von 40 mg pro Liter, der laut SVGW in aller Regel eingehalten wird. Erhöhte Werte gibt es vor allem bei Hausbrunnen.
Darf ich Wasser aus einer Filterkanne verwenden?
Nein. Das BLV rät von Wasserfiltern für die Schoppenzubereitung ab, denn darin können sich Keime vermehren. Nimm frisches, kaltes Wasser direkt aus dem Hahn.
Kann ich warmes Wasser direkt aus dem Hahn nehmen?
Nein. Warmwasser aus der Leitung stammt aus dem Boiler und ist für den Schoppen nicht geeignet. Nimm kaltes Wasser und erwärme es im Wasserkocher, im Flaschenwärmer oder in einem Topf auf Trinktemperatur.
Quellen
- Merkblatt Zubereiten der Babyflasche (Schoppen), Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV
- Ernährung für Säuglinge und Kleinkinder: Nähren mit der Babyflasche, BLV
- Empfehlungen für die Säuglingsernährung (2017), Ernährungskommission der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie
- FAQ Lebensphasen: Säuglinge und Kleinkinder, Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE
- Handbuch «Essen und Trinken im ersten Lebensjahr», Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE im Auftrag von Gesundheitsförderung Schweiz
- Merkblatt Zubereitung von Muttermilchersatznahrung, Inselspital Bern, Mutter & Kind Station
- FAQ Trinkwasser, Schweizerischer Verein des Gas- und Wasserfaches SVGW
- Trinkwasser, Kanton Zürich, Kantonales Labor
- Sehr niedrig mineralisiertes Mineralwasser gesundheitlich bewertet (Stellungnahme 041/2020), Bundesinstitut für Risikobewertung BfR
- Trinkwasser fürs Baby, kindergesundheit-info.de, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit
- Zubereitung von Säuglingsmilch, kindergesundheit-info.de, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit
- Hygiene bei der Flaschenfütterung, kindergesundheit-info.de, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit
- Zubereitung der Säuglingsmilchnahrung, Netzwerk Gesund ins Leben
- Bleirohre: Blei im Trinkwasser ist gesundheitsgefährdend, Umweltbundesamt
- Making up baby formula, NHS

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