Schwangerschaftsübelkeit: was hilft und wann es Hyperemesis ist
Übelkeit in der Schwangerschaft ist häufig und meist harmlos. Was im Alltag hilft, wann es Hyperemesis ist und bei welchen Warnzeichen du Hilfe holst.

Inhalt
Kurz gesagt
Übelkeit in der Schwangerschaft ist sehr häufig: Laut der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG) betrifft sie 50 bis 80 Prozent der Schwangeren. Sie beginnt meist zwischen der 4. und 7. Woche und ist bei 9 von 10 Frauen bis zur 20. Woche vorbei. Kleine, häufige Mahlzeiten, schluckweise trinken und Ruhe können helfen. Kannst du kaum noch essen und trinken, trocknest du aus oder nimmst du ab, kann es eine Hyperemesis gravidarum sein, die schwere Form. Dann brauchst du ärztliche Hilfe, bei Warnzeichen noch am selben Tag.
Schwangerschaftsübelkeit ist für manche ein flaues Gefühl am Morgen, für andere ein Zustand, der wochenlang den ganzen Tag bestimmt. Hier liest du, was hilft, wann sie meist aufhört und woran du eine schwere Schwangerschaftsübelkeit erkennst. Und LIINI-Mitgründerin Olivia Wyss erzählt, wie sie es erlebt hat.
Schwangerschaftsübelkeit: wie häufig, ab wann, bis wann?
Übelkeit mit oder ohne Erbrechen haben laut SGGG 50 bis 80 Prozent der Schwangeren. Trotz des Namens «Morgenübelkeit» kommt sie laut NHS zu jeder Tageszeit vor. So verläuft sie meistens:
- Beginn: meist zwischen der 4. und 7. Schwangerschaftswoche, schreibt die britische Fachgesellschaft RCOG. In welcher Woche du gerade bist, zeigt der Geburtstermin-Rechner.
- Höhepunkt: laut Fachleuten des Kantonsspitals Aarau um die 9. Woche.
- Ende: bei vielen bis etwa zur 16. Woche (SGGG), bei 9 von 10 Frauen bis zur 20. Woche (RCOG).
- Länger: Bei etwa 1 von 10 Frauen dauert sie über die 20. Woche hinaus (RCOG), in seltenen Fällen bis zur Geburt (SGGG).
Übelkeit in der Schwangerschaft: was hilft im Alltag?
Vorweg ehrlich: Laut dem deutschen Institut IQWiG sind die meisten Alltagstipps nicht gut untersucht. Trotzdem empfehlen Fachstellen wie NHS, RCOG und SGGG diese einfachen Massnahmen.
- Klein und oft essen: Die SGGG rät zu kleinen Mahlzeiten etwa alle 1 bis 2 Stunden. Das RCOG empfiehlt kohlenhydratreiche, fettarme Speisen wie Kartoffeln, Reis oder Teigwaren.
- Trocken starten: Iss schon vor dem Aufstehen etwas Trockenes, zum Beispiel Zwieback oder Toast (familienplanung.de, NHS).
- Schluckweise trinken: Wenig, aber oft trinken kann laut NHS Erbrechen vorbeugen.
- Auslöser meiden: Meide Gerüche und Speisen, die dir übel machen. familienplanung.de rät auch von sehr fettigen, süssen oder würzigen Speisen, Kaffee, Schwarztee und Kohlensäure ab.
- Kalt statt warm: Stören dich Kochgerüche, sind kalte Speisen oft angenehmer (NHS).
- Ruhe: Müdigkeit kann die Übelkeit verstärken (NHS). Plane Pausen ein.
Und Ingwer, Akupressur und Co.? So sieht die Quellenlage aus:
| Mittel | Was die Quellen sagen |
|---|---|
| Ingwer | Lindert laut SGGG die Übelkeit etwas, das Erbrechen nicht nachweislich. Im Essen oder als Tee kannst du ihn probieren, ob Tee wirkt, ist aber unklar (IQWiG). Vor Präparaten fragst du in der Apotheke (NHS). Nicht bei blutverdünnenden Medikamenten (SGGG). |
| Akupressur am Handgelenk | Studien widersprüchlich (IQWiG). Laut SGGG nicht erwiesen, aber nicht schädlich. |
| Vitamin B6 | Kann die Übelkeit etwas lindern, bei Erbrechen unklar (IQWiG). Nur nach Rücksprache mit deiner Ärztin. |
| Eisenpräparate | Die SGGG nennt den Verzicht darauf als Massnahme. Setz sie nicht selbst ab, frag deine Ärztin. |
Schwere Schwangerschaftsübelkeit: wann es Hyperemesis gravidarum ist
Bei der Hyperemesis gravidarum ist die Übelkeit so stark, dass du deinen Alltag nicht mehr schaffst und nicht mehr normal essen und trinken kannst (RCOG). Je nach Studie betrifft sie etwa 0.3 bis 3 von 100 Schwangeren (SGGG). Fachleute achten auf anhaltendes Erbrechen, Austrocknung und einen Gewichtsverlust von mehr als 5 Prozent des Körpergewichts (SGGG). Als Richtwert nennt familienplanung.de Erbrechen häufiger als 5-mal am Tag.
Ein höheres Risiko haben Frauen mit Zwillingen oder mehr Kindern und Frauen, die schon in einer früheren Schwangerschaft stark betroffen waren (NHS, RCOG). Typische Zeichen von Austrocknung sind laut NHS Durst, Müdigkeit, Schwindel und wenig, dunkler, stark riechender Urin.
Achtung
Melde dich noch heute bei deiner Ärztin, deiner Hebamme oder in der Notfallstation (Notaufnahme), wenn du erbrichst und zusätzlich: seit 24 Stunden keine Flüssigkeit oder kein Essen bei dir behältst, deine Medikamente gegen Übelkeit nicht bei dir behältst, sehr dunklen Urin hast oder seit mehr als 8 Stunden nicht mehr uriniert hast, dich beim Aufstehen sehr schwach, schwindlig oder einer Ohnmacht nahe fühlst, Bauchschmerzen oder Fieber hast, Blut erbrichst oder abnimmst (NHS, RCOG). Bist du sehr benommen, verwirrt oder kaum ansprechbar oder erbrichst du viel Blut, ruf sofort den Notruf: 144 in der Schweiz und in Österreich, 112 in Deutschland und europaweit.
Behandlung: Was deine Ärztin tun kann
Ob und wie du behandelt wirst, entscheidet deine Ärztin zusammen mit dir. Zuerst schliesst sie laut SGGG andere Ursachen für das Erbrechen aus.
- Medikamente gegen Übelkeit: Es gibt Mittel, die in der Schwangerschaft eingesetzt werden können (NHS). Welches für dich passt, entscheidet deine Ärztin. Nimm nichts auf eigene Faust.
- Flüssigkeit und Salze: Bist du ausgetrocknet, bekommst du Infusionen, manchmal mit B-Vitaminen (familienplanung.de).
- Zu Hause oder im Spital: Die meisten Frauen werden zu Hause oder ambulant behandelt (RCOG). Ist der Stoffwechsel entgleist, braucht es einen Aufenthalt im Spital oder Krankenhaus (familienplanung.de).
So bereitest du den Termin vor:
- Aufschreiben Wie oft erbrichst du am Tag, was bleibt drin, wie viel trinkst du?
- Wiegen Notier dein Gewicht vor der Schwangerschaft und heute.
- Mittel auflisten auch Vitamine, Eisen und pflanzliche Mittel.
- Alltag schildern Erkläre offen, wie stark die Beschwerden dein Leben einschränken, das rät der NHS. Wenn es dir hilft, nimm eine Begleitperson mit.
Schwere Übelkeit belastet auch die Psyche (RCOG, familienplanung.de). Fühlst du dich ängstlich, niedergeschlagen oder hoffnungslos, sag es deinem Behandlungsteam. Laut Fachleuten des Kantonsspitals Aarau gehört eine gute psychologische Betreuung dazu.
Arbeit und Alltag: Arztzeugnis und deine Rechte
Bist du nicht arbeitsfähig, kann dir deine Ärztin ein Arztzeugnis ausstellen. In der Schweiz gilt laut den Kantonen Zürich und Basel-Stadt:
- Fernbleiben: Schwangere dürfen auf blosse Anzeige hin der Arbeit fernbleiben. Der Lohn ist dann aber nicht unbedingt geschuldet, vor allem ohne Arztzeugnis.
- Arztzeugnis: Damit belegst du, dass du aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten kannst. Wie lange der Lohn weiterläuft, hängt von Dienstjahren, Vertrag und einer allfälligen Krankentaggeldversicherung ab.
- Ausruhen: Schwangere müssen sich am Arbeitsplatz unter geeigneten Bedingungen hinlegen und ausruhen können.
- Kündigungsschutz: Nach der Probezeit darf dir dein Arbeitgeber ein unbefristetes Arbeitsverhältnis während der Schwangerschaft und in den 16 Wochen nach der Geburt nicht kündigen.
In Deutschland und Österreich gelten eigene Regeln. Was nach der Geburt gilt, steht im Ratgeber Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaub in der Schweiz.
Gut zu wissen
Krankenkasse in der Schweiz (Stand Oktober 2026): Heute bist du laut SGGG erst ab der 13. Schwangerschaftswoche auch bei Komplikationen von der Kostenbeteiligung (Franchise, Selbstbehalt) befreit. Wirst du wegen starker Übelkeit vorher behandelt, zahlst du also Franchise und Selbstbehalt. Das Parlament hat im März 2025 beschlossen, dass die Befreiung künftig ab dem ersten Tag der ärztlich oder von einer Hebamme bestätigten Schwangerschaft gilt (BAG). Vorgesehen ist der Start am 1. Januar 2027, den Termin legt der Bundesrat fest. Frag im Zweifel deine Krankenkasse.
So können Partner und Umfeld helfen
Für Aussenstehende ist kaum vorstellbar, wie zermürbend wochenlange Übelkeit ist. Der NHS ermutigt Betroffene, auch mit Partner, Familie und Freundinnen darüber zu reden, wie es ihnen geht. Diese Checkliste kannst du weitergeben:
- Ernst nehmen statt beschwichtigen: kein «Das gehört halt dazu».
- Kochen übernehmen und lüften, damit Gerüche nicht durch die Wohnung ziehen.
- Abends Wasser und etwas Trockenes ans Bett stellen.
- Geschwisterkinder betreuen und den Haushalt übernehmen.
- Fragen, wie es ihr seelisch geht, und zuhören.
- Die Warnzeichen kennen und bei Rot nicht abwarten, sondern anrufen.
- Planung abnehmen: Die Erstausstattung fürs Baby kann auch der Partner nach Checkliste besorgen.
Wer etwas schenken möchte, findet Ideen für später im Ratgeber Geschenk zur Geburt.
Persönlich erzählt: «Der Körper fühlt sich schon beinahe vergiftet an»
Gut zu wissen
Diesen Erfahrungsbericht hat LIINI-Mitgründerin Olivia Wyss im Frühling 2023 für den LIINI-Blog geschrieben. Er schildert ihr persönliches Erleben und ersetzt keine Beratung.
Sie war damals im zweiten Trimester ihrer zweiten Schwangerschaft. Die Übelkeit mit Erbrechen war fast noch schlimmer als beim ersten Mal, als sie bis zum 7. Monat anhielt. «Der Körper fühlt sich schon beinahe vergiftet an», schrieb sie.
Anders als in Filmen erbrach sie nicht nur kurz am Morgen, die Übelkeit begleitete sie den ganzen Tag. Sie verglich das Gefühl mit zehn Runden Achterbahn im Europa-Park, nach jeder Runde frittierte Apfelringe. Trotzdem musste sie funktionieren: Arbeit, ihre Tochter, die Beziehung.
Zugelassene Medikamente halfen ihr nur kurz und nicht vollständig. Ingwertee, Cola oder schon im Liegen etwas Leichtes zu essen halfen ihr nicht wirklich, Globuli und ein Spagyrikspray auch nicht. Gerade am Tiefpunkt bekam sie von einer anderen Mutter zu hören, eine Schwangerschaft sei keine Krankheit. Für sie war der Zustand schlimmer als krank zu sein, denn er dauerte Monate. Ihre Bitte: «Bitte bewertet nicht das Empfinden anderer schwangerer Frauen.»
Ihr Fazit: «Wenn es einem in dieser Zeit nicht gut geht, ist es auch nicht egoistisch, Hilfe zu suchen und auf den eigenen Körper zu achten.» Die Momente, die man später als Familie erlebt, seien es «wohl oder übel» wert.
Häufige Fragen
Wann hört Schwangerschaftsübelkeit auf?
Bei vielen Frauen bis etwa zur 16. Woche (SGGG), bei 9 von 10 Frauen bis zur 20. Woche (RCOG). In seltenen Fällen bleibt sie bis zur Geburt. Wie es gegen Ende der Schwangerschaft weitergehen kann, liest du im Ratgeber Geburtseinleitung.
Schadet Schwangerschaftsübelkeit meinem Baby?
Für leichte bis mittelschwere Übelkeit gibt es laut RCOG keine Hinweise, dass sie dem Baby schadet. Auch eine Hyperemesis schadet dem Baby laut NHS wahrscheinlich nicht, wenn sie gut behandelt wird. Verlierst du aber stark an Gewicht, kann das Geburtsgewicht tiefer ausfallen. Deshalb ist eine frühe Behandlung wichtig.
Was ist der Unterschied zwischen Schwangerschaftsübelkeit und Hyperemesis gravidarum?
Bei gewöhnlicher Schwangerschaftsübelkeit kannst du trotz allem essen und trinken. Bei der Hyperemesis gravidarum behältst du kaum etwas bei dir, trocknest aus oder nimmst ab und schaffst deinen Alltag nicht mehr. Sie gehört immer in ärztliche Behandlung.
Hilft Ingwer gegen Schwangerschaftsübelkeit?
Ein wenig. Laut SGGG lindert Ingwer die Übelkeit, das Erbrechen aber nicht nachweislich. Im Essen oder als Tee kannst du ihn probieren, ob Tee wirkt, ist allerdings unklar (IQWiG). Vor Präparaten fragst du in der Apotheke. Nimmst du blutverdünnende Medikamente, rät die SGGG von Ingwer ab.
Kommt Hyperemesis in der nächsten Schwangerschaft wieder?
Das Risiko ist erhöht, wenn du schon einmal stark betroffen warst. Die SGGG nennt je nach Studie 24 bis 80 Prozent. Der NHS rät, eine weitere Schwangerschaft vorauszuplanen, zum Beispiel die Kinderbetreuung, damit du dich ausruhen kannst.
Quellen
- Expertenbrief No 76: Nausea und Erbrechen in der Schwangerschaft, Hyperemesis gravidarum, Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG)
- Hyperemesis in der Schwangerschaft, Stähli R, Todesco M, Kantonsspital Aarau, Gynäkologie 3/2020
- Schwangerschaft – Leistungen der Krankenkasse, SGGG
- KVG-Änderung: Massnahmen zur Kostendämpfung – Paket 2, Bundesamt für Gesundheit (BAG)
- Umsetzung Kostendämpfungspaket 2: Neue Regeln zu Referenztarifen, Laboratorien und Bestimmung des Schwangerschaftsbeginns, Medienmitteilung BAG, 26.11.2025
- Mutterschutz am Arbeitsplatz, Kanton Zürich, Amt für Wirtschaft
- Schutz der Arbeitnehmerinnen bei Schwangerschaft und Mutterschaft (Merkblatt), Kanton Basel-Stadt, Amt für Wirtschaft und Arbeit
- Vomiting and morning sickness, NHS
- Severe vomiting in pregnancy (hyperemesis gravidarum), NHS
- Pregnancy sickness (nausea and vomiting of pregnancy and hyperemesis gravidarum), Royal College of Obstetricians and Gynaecologists (RCOG)
- Was hilft gegen Übelkeit in der Schwangerschaft?, gesundheitsinformation.de, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
- Übelkeit und Erbrechen, familienplanung.de, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit
- Starkes Schwangerschaftserbrechen (Hyperemesis gravidarum), familienplanung.de, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit
- Notfälle in der Schweiz, ch.ch
- Notrufnummern, gesundheit.gv.at, Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs

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